Für die Kandidaten ist das Internet doch ein Segen, oder? Wenn ich etwas über meinen Mitbewerber, seine Strategie oder seine Aktionen wissen will, schaue ich einfach auf seine Internetseite. Ich gebe zu, ich habe auch schon mal auf die Seiten der Mitbewerber geschaut. Aber mal ganz ehrlich, wenn ein Kandidat jedem nur möglichen Wähler alles verspricht, dann riecht das doch förmlich danach, die Wählerstimme um jeden Preis haben zu wollen. Ich beobachte dabei das Phänomen, dass gute Ideen der Anderen sofort nachgeahmt werden. Der Kandidat ist dabei unter extremem Druck, und alles wirkt für mich nicht mehr authentisch. Da bleibe ich mir lieber selber treu und diskutiere mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort intensiv. Ich nehme mir eben die Zeit, die es braucht. Was hätte ich davon, tausende von Türklinken zu drücken, jedem zu erklären, dass ich alle Wünsche erfüllen werde und die anderen Kandidaten sowieso keine Ahnung haben. Ich bin sicher, der mündige Wähler wird es intuitiv spüren, dass dies nicht echt sein kann. Aber so ist eben Werbung, Hauptsache sie wirkt, Verbindlichkeit ist Nebensache.

Ein Kandidat, der sich derart unter Druck setzt und dabei mehrere Kilos abnimmt und dann noch erklärt, er treibt jetzt nebenbei auch wieder Sport, wirkt auf mich nicht so, als kenne dieser Mensch seine ausgewogene Mitte. Selbstbewusstsein und mit Bedacht, mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen, halte ich für die sinnvollere Tugend im Wahlkampf.

Die andere Seite meiner Erfahrungen im Wahlkampf stellt sich in einer völlig verfehlten Selbstwahrnehmung dar. Sich von seinen Unterstützerparteien teure Hochglanzbroschüren drucken und viele Wahlkampfhelfer strampeln zu lassen, um dann zu äußern, „wenn es nicht klappt gehe ich eben in Rente“, ist doch ein Schlag ins Gesicht aller Helfer und Unterstützer.  Mache Politiker, die sich so benehmen, hat man schon mal als Ente mit Gipsbein oder „Lame Duck“ bezeichnet. Vielleicht straft der Kandidat seine Helfer und auch die Wähler damit Lügen.

Ich beobachte mit genüsslichem Interesse, wie die eben beschriebenen Kandidaten damit umgehen, wenn man den Wahlkampf mal etwas anders macht…Sie können es nicht!